Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Lensahn
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Lensahn

Informationen zu den Amtshandlungen (Kasualien)
Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung:

Als Amtshandlungen oder Kasualien bezeichnet man in der evangelischen Kirche Gottesdienste, die man feiert, nicht weil Sonntag oder ein anderer Feiertag ist, sondern aus einem bestimmten Anlass (lat.: casus). Die typischen Kasualien sind Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung.
Die folgenden Beiträge von Pastor Philipp Kurowski mit theologischen und praktischen Informationen sind Beiträgen aus mehreren Gemeindebriefen des Jahres 2007 entnommen.

Die Taufe

(aus Gemeindebrief 39 von Februar - Mai 2007)

Üblicherweise werden bei uns Kinder getauft, aber auch Jugendliche und Erwachsene können getauft werden – wenn sie als Babies aus irgendeinem Grund noch nicht getauft wurden.Wichtig ist uns nur: Die Taufe ist einmalig, wer schon mal getauft wurde, wird nicht wieder getauft, auch wenn er z. B. zwischendurch aus der Kirche ausgetreten ist, oder ganz neu zum Glauben gefunden hat.

Warum bringen Menschen ihr Kind zur Taufe?
Die Geburt eines Kindes ist immer ein Wunder. Da ist plötzlich etwas da, etwas Lebendiges, ein neuer Mensch. Und dann ist nichts mehr wie vorher. Alles verändert sich, der Tagesablauf, der Beruf, das Konto – aber auch die Beziehungen in einer Familie werden kräftig aufgemischt. Da ist plötzlich einer mehr, der seinen Willen hat, der geliebt werden will, und auch viel Liebe austeilt. In dieser Phase des Neuanfangs, des Übergangs, suchen viele Halt, auch im Glauben, auch in der Kirche. Sich Gottes Segen zusprechen zu lassen, hilft oft, das viele Neue mit größerer Gelassenheit zu ertragen, und mit Mut, Kraft und Liebe die neuen Herausforderungen anzunehmen. Vielleicht ist es auch noch mehr. Das Leben eines anderen Menschen wortwörtlich in der Hand zu haben, ist nicht nur ein großes Geschenk – es ist auch eine große Aufgabe, eigentlich zu groß für uns Menschen.

Was kann man alles falsch machen?
In der Taufe vertrauen wir das Kind Gott an. Aus Dankbarkeit für dieses Geschenk, aber auch in der Demut, und in der Hoffnung, dass er mit-trägt. Dass wir nicht allein sind mit dieser Aufgabe. Gott trägt die letzte Verantwortung, auch wenn wir Fehler machen, wenn wir mal nicht hinsehen, ist Er da, und hält seine Hand über das Kind. Aber Taufe ist nicht nur für die Eltern da. Auch dem Kind wird etwas ganz wichtiges zugesagt: Gott sagt „ja“ zu einem Menschen, und zwar ohne jede Bedingung. Einfach nur, weil er da ist, schließt Gott einen Bund für's Leben. Daran kann ich mich auch selber erinnern, und mir sagen: Gott hat mich schon angenommen, als ich ihm nichts zu geben hatte, keinen Glauben, keine guten Taten, gar nichts. Er liebt mich so wie ich bin, weil ich ich bin. Das reicht ihm. Vielleicht hilft mir diese Gewissheit gerade zu einem entspannten und fröhlichen Glauben, und zu vielen guten Taten.

Was bedeutet Taufe praktisch?
Wir taufen mit Wasser, so wie Jesus auch mit Wasser getauft wurde, und wohl auch getauft hat, jedenfalls hat er uns den Auftrag zum Taufen gegeben. Manchmal tun wir es im Gottesdienst, weil die Taufe auch die Aufnahme in die Kirchengemeinde ist. Und dann ist es schön, wenn die auch etwas davon mitbekommt. Und die Lieder und Gebete der Gemeinde tragen die Familie mit durch den Gottesdienst und darüber hinaus. Allein in der Kirche käme man sich sonst vielleicht etwas verloren vor.
Manchmal taufen wir auch im Anschluss, dann ist man mehr unter sich, auch das hat etwas für sich, weil man dann einen Gottesdienst ganz maßgeschneidert für die Taufe bekommt, und man mehr das Gefühl hat, Hauptperson zu sein – und nicht Gast.
Wichtig sind die Paten. Sie sind zunächst Zeugen der Taufe. Sie bezeugen dem Kind: Ja, ich war dabei, du bist getauft. Solche Zeugen sind wichtiger als ein Stück Papier. Paten haben aber auch die Aufgabe, mit den Eltern gemeinsam das Kind im Glauben zu erziehen. In dem sie aus der Kinderbibel vorlesen, mit den Kindern beten, oder von ihrem eigenen Glauben erzählen. Deshalb müssen Paten auch Mitglied der Kirche sein. Eine Bescheinigung darüber stellt das Kirchenbüro ihrer Heimatgemeinde gerne aus. An Papieren braucht man sonst noch die Geburtsurkunde bzw. das Stammbuch. Und dann kann es eigentlich schon losgehen. Vorher gibt es noch ein Gespräch mit dem Pastor. Da spricht man auch über Lieder oder über Texte. Jedes Kind bekommt zur Taufe einen Bibeltext mit auf den Lebensweg, das Kirchenbüro hat eine Sammlung von Texten, die zur Taufe geeignet sind. Aber man kann auch selber blättern und sich einen Bibelspruch aussuchen. Den kann man dann auf ein Taufband schreiben, das wir nach der Taufe an einem Kranz über dem Taufbecken befestigen. In vielen bunten Farben sehen wir dann, wie unsere Gemeinde wächst. Einmal im Jahr werden die Bänder abgenommen und zurückgegeben, mit einem großen Familiengottesdienst mit Erinnerung an die Taufe. Der Tauftext steht aber auch auf der Taufurkunde, die jeder bekommt, vielleicht findet der eine oder die andere dieses Dokument noch in den eigenen Akten, und wundert sich, was damals am Anfang ihres Lebens für ein Wort Gottes gewählt wurde. So ein Wort kann dann noch einmal ganz neu wichtig werden im Leben. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, den Tag festlich zu gestalten, mit Taufkleid, Taufkerze, Tauflied, und Familiensegen – über alles kann man sprechen, und eine Form finden, mit der sich alle wohlfühlen. Am wichtigsten bleibt das Ja Gottes zum Leben, zu jedem Leben, das ihm anvertraut wird – als Kind, als Jugendlicher oder Erwachsener: Gott sagt Ja.


Weitere Hinweise zur Taufe finden Sie im "
Ratgeber Taufe" unserer Landeskirche.


 

Die Konfirmation

(aus Gemeindebrief 40 von Juni-August 2007)

Wörtlich lateinisch heißt „confirmare“ so etwas wie „festmachen“. Wer oder was hier eigentlich festgemacht wird, dazu wollen wir später kommen, denn da kommen wir schon ganz nah an das Wesentliche, den inneren Sinn der Konfirmation, aber wie bei dem Artikel über die Taufe will ich wie bei einer Zwiebel erstmal an die äußeren Schich­ten herangehen, bis man zum Kern der Sache vordringt.
Äußerlich werden aus Kindern Leute. Das ist schon allein wegen der körperlichen Ver­änderungen, die in der Pubertät vor sich gehen, nicht zu übersehen, bei den Jungen auch nicht zu überhören. Gleichzeitig verändert sich aber auch innerlich etwas. Die Bezie­hungen zu Eltern, Lehrern und anderen werden auf die Probe gestellt. Das ist für beide Seiten oft nicht einfach, denn Konflikte gehören zu dieser „Probezeit“ selbstverständlich dazu. Die Jugendlichen lösen sich aus der Familie, sie fangen an, sich für Beziehungen zu interessieren. Die Natur steuert diesen Prozess über Hormone, und dem sind alle Be­teiligten ausgesetzt – ob sie wollen oder nicht.
Was die Natur vorgibt, wird in der Kultur geformt und verarbeitet. In allen Kulturen und Religionen gibt es deshalb Rituale, die den Übergang vom Kindsein zum Erwachsenen­leben markieren und begleiten. In unserer Kultur ist das noch mehrheitlich ein religiöses Fest, aber in Ostdeutschland feiert man bis heute auch die „Jugendweihe“. Damit ver­bunden, wird den jungen Menschen mehr Verantwortung übertragen, sie dürfen mehr selbst entscheiden – müssen aber auch für mehr geradestehen.
Rechtlich bedeutet das in Deutschland, dass Jugendliche mit 14 Jahren, ihre Religion wählen dürfen, sie dürfen also entscheiden, ob sie Christen sein wollen, oder nicht. Für den Glauben gerade stehen, den Glauben festmachen, das ist der äußere Sinn der Kon­firmation. Deshalb gehört auch das öffentliche Bekenntnis, stehend vor dem Altar gesprochen, traditionell dazu.
Aber es gibt auch einen inneren Sinn. Sich festmachen. In den Zeiten des Umbruchs einen Halt zu haben, einen Fels, auf den man sein eigenes Lebenshaus bauen kann. Bei allen kriselnden Beziehungen eine Beziehung nach oben festzumachen, die durch das Leben trägt. Das Ja zu Gott, nicht nur zu einer Religion oder einer Kirche, das Ja zu Jesus Christus als meinem Bruder und meinem Herrn, das ist ungleich wichtiger als das öffentliche Bekenntnis. Es ist natürlich ideal, wenn beides zusammen fällt. Das öffentliche Bekenntnis, und das Ja im Herzen. Manchmal muss das Ja im Herzen aber noch gefunden werden, weil in der Zeit der Beziehungskrisen, auch Gott in Frage gestellt wird – und Kirche und Pastoren allemal. Es kann aber auch sein, dass das Ja im Herzen schon längst gesprochen wurde, und im öffentlichen Bekenntnis nur noch einmal bekräftigt wird.
Wir haben hier in Lensahn durchaus unterschiedliche Formen der Konfirmation, die ver­suchen, dieses Problem ernst zu nehmen. Mal feiern wir es stärker traditionell, weil es auch ein Zeichen ist, den Jugendlichen so ein „Ja“ auch zuzutrauen, ihnen die Verant­wortung nicht zu nehmen. Aufgrund dieses „Ja“ sollen sie ja auch Paten werden können, sollen sie kirchlich heiraten dürfen, und aufgrund dieses „Ja“ werden sie Kirchensteuer zahlen müssen. Dazu kann man erwarten, dass es auch laut und deutlich gesprochen wird.
Andererseits bieten wir in einigen Jahrgängen auch an, das Bekenntnis nicht nur als Ja, sondern als eigenen Beitrag vorzutragen. Oder diese Frage in stiller Besinnung mit sich selbst abzumachen. Damit wird die besondere Bedeutung der inneren Entscheidung un­terstrichen. Keiner soll öffentlich etwas bekennen, wozu er innerlich noch nicht bereit ist. Und wer schon mit Gott und Kir­che groß geworden ist, kann oft schon seinen Glau­ben selber formu­lieren. Aber auch hier ist ein Ruf in die Verantwortung: schon in der Entscheidung, wie die Bekenntnis­frage gestaltet wird, machen sich die Jugendlichen ihre Gedanken, und prüfen ihr Gewissen – vielleicht mehr, als bei einer vorformulierten Frage und Antwort.
Bei alle dem ist wichtig: das große Ja Gottes zu uns, ob jung oder alt, ob zweifelnd oder entschlossen, das Ja Gottes ist schon gesprochen. Gott sagt Ja zu uns, bevor wir uns für oder gegen ihn entscheiden. Wir stellen unser kleines, und oft wackeliges Ja nur in sein großes festes Ja hinein. Nur an diesem Ja kann man sich wirklich festmachen. Und das nicht nur an einem Tag im Leben, sondern am besten jeden Tag.

Und zum Schluss noch ein paar praktische Hinweise: Zur Anmeldung zum Kon­firmandenunterricht brau­chen wir die Taufurkunde (soweit vorhanden) und seit Neues­tem auch die Unterschriften von Eltern und Jugendlichen über den Konfirmandenver­trag. Schon am Anfang wollen wir uns auf Regeln einigen, und Verantwortung groß schreiben.
Der Unterricht dauert knapp zwei Jahre. Keine und Keiner soll sich für etwas gänzlich Unbekanntes entscheiden. Dabei werden auch die wichtigsten Texte des Glaubens und der Kirche gelernt. Viele erkennen erst viel später, was für einen Schatz sie dadurch in ihrem Hinterkopf haben. Wichtig ist auch Teilnahme am Gottesdienst und am Ge­meindeleben. Weil Kirche eben konkret ist, nicht nur Theorie, sondern praktische Ge­meinschaft von Christen hier vor Ort.
Praktische Gemeinschaft wird auch in der Konfi-Freizeit erfahren, die für viele Jugendli­che den Höhepunkt der Unterrichtszeit darstellt. In Schloss Ascheberg am Plöner See wird ein Wochenende lang gespielt, gesungen, gebetet und gearbeitet. Viele ehrenamtli­che Helfer machen das möglich.
Die Konfirmationen sind dann der festliche Abschluss. Schöne Kleidung, eine ge-schmückte Kirche und eine rauschende Feier gehören dann einfach dazu. Viele alte Bräuche wie der Maiglöckchenstrauß kommen wieder in Mode, sind aber kein Muss.
Geschenke gibt es natürlich auch. Oft auch viel Geld. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass den jungen Leuten zugetraut wird, damit verantwortlich umzugehen, und viele tun das auch sehr gewissenhaft, und machen sich gründlich Gedanken, wofür sie ihr Kon­firmationsgeld einsetzen wollen. Schön wäre es, wenn auch hier das Teilen mit dazu ge­hört.
Mir persönlich am wichtigsten ist vielleicht der Segen. Den Jugendlichen gerade in ihrer Situation Gottes Liebe, seinen Beistand, seine Nähe zuzusprechen, ist eben doch mehr als nur ein Ritual. Weil wir eben doch alle wissen, dass wir auch schon als ganz und gar Erwachsene unser Leben nie ganz allein in den Händen halten – da ist es gut, wenn je­mand seine Hände über uns hält.


Weitere Hinweise zur Konfirmation finden Sie im "
Ratgeber Konfirmation" unserer Landeskirche.

 

 

Die Trauung

(aus Gemeindebrief 41 von September-November 2007)

Trauung in der Kirche – gibt es etwas schöneres? Festliche Orgelmusik, die Braut in Weiß, der Kuss vor dem Altar, Blumen streuende Kinder und alles, was dazu gehört? Für mich als Pastor ist es manchmal gar nicht so leicht, meine eigene Rolle zu finden. Bin ich hier nur Zeremonienmeister eines Festes, dessen Ablauf schon längst vorher fest­steht? Ist die Traum­hochzeit nicht schon längst durchgeplant, und meine Aufgabe ist einfach nur, nicht im Weg zu stehen, und möglichst exakt das zu tun, was man von mir erwartet?
In den Gesprächen davor erlebe ich aber meistens etwas anderes. Klar, alle freuen sich auf ein schönes, romantisches Fest der Liebe. Aber vielen ist auch die ernste Seite der Trauung durchaus bewusst. Dass in der Trau­ung ein Mensch dem anderen sein Leben anvertraut, dass ich selber das Gelingen oder Scheitern meines zukünftigen Lebens in die Hände des Partners lege, das ist eine ernste Sache. Ich weiß doch, wie viele Ehen schei­tern, und doch will ich mein Vertrauen einsetzen. Wohl dem, der diese Entscheidung nicht im rosaroten Romantikrausch trifft, sondern mit reiflicher Überlegung, mit klarem Kopf und gebührendem Respekt.
Respekt, der kann einem auch in den Sinn kommen, wenn man sich die umgekehrte Frage stellt: Wer bin eigentlich ich, dass ein anderer Mensch sein Leben in meine Hände gibt? Ich kenne mich doch, meine Unvoll­kommenheit, meine Fehler und Macken. Hat der Andere es sich denn auch gut überlegt? Weiß er denn, was er da tut (oder sie...)?
Ja, mit Gottes Hilfe – Der Satz steht im Mittelpunkt der Trauung. Üb­rigens kommt er schon in der Taufe vor, und auch bei der Konfirmation. Das Ja-Sagen ist offensichtlich eine heilige Sache. Und in der Tat, das ist es auch. In der Taufe sagt Gott Ja zu uns, in der Konfirmation sagen wir Ja zu Gott, und in der Trauung sagen zwei Menschen Ja zu­einander. Ja – ich liebe dich so wie du bist. Ja – mit allen deinen Schwächen und Unzu­länglichkeiten, mit deinen Fehlern und Macken, deinen Ängsten und Ent­täuschungen. Ja – aber auch zu deinen Stärken, deinen Gaben und Fähig­keiten, deinem Humor, deinem Talent, mich glücklich zu machen, deinen Augen, deinem Herzen, deiner Liebe. Ja, zu dir als ganzem Menschen. Von A bis Z, von Kopf bis Fuß, mit Herz und Seele.
So ein Ja, das ist etwas heiliges, es ist das größte, was man zu einem Menschen sagen kann, und eigentlich ist es sogar größer als das, was wir selber sagen können.
Deshalb: Ja, mit Gottes Hilfe. Ich stehe nicht allein mit meinem Ja, son­dern Gott steht mir bei. Sein Ja zu mir, sein Ja zu meinem Partner ist schon da, wenn wir vor den Altar treten. Gott hat uns schon gesagt: Ja, du bist mit all deinen Ecken und Kanten, mit deinen Stärken und Schwächen mit Leib und Seele, Haut und Haaren liebenswert. Wenn wir das wirklich glauben, dann können wir auch das Ja eines anderen Menschen annehmen, und können auch Ja zu einem anderen Menschen sagen, und uns auf die abenteuerliche Reise machen, immer wieder neu zu entde­cken, was alles an diesem einen Menschen liebenswert ist – ein Leben lang.


Zum Schluss wie üblich die praktischen Tipps: Zunächst – das ist eigent­lich selbstver­ständlich – sollten beide Partner Mitglied der Kirche sein. Bei Paaren unterschiedlicher Konfession (einer von beiden ist freikirch­lich oder katholisch) muss überlegt werden, wie weit die andere Kirche an der Zeremonie beteiligt werden soll. Ist einer der beiden ausgetreten, ist nur ein Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung möglich, man kann ja von niemandem ein „Ja mit Gottes Hilfe“ verlangen, der sich bewusst gegen Glauben und Kirche entschieden hat. Wir können keinen Glauben beurteilen, und wollen das auch nicht, gerade deshalb müssen wir uns an das halten, was öffentlich vor der Kirche bzw. dem Rathaus bekannt wird. Und da akzeptieren wir auch ein „Nein“ und nehmen das ernst. Selbstverständlich kann so ein Schritt auch nach guter Überlegung rückgängig ge­macht werden, viele entscheiden sich nicht nur für einen Menschen, sondern auch wieder neu für Gott und die Kirche, wenn Sie heiraten wollen – das ist dann für uns doppelt schön.
Hochzeiten haben einen langen Planungsvorlauf. Sprechen Sie also rechtzeitig mit dem Kirchenbüro über den Termin, nicht dass sie die Ein­ladungen schon gedruckt haben, und an ihrem Traumwochenende ist die Kirche schon belegt. Wenn sie besondere Wünsche bezüglich Blu­menschmuck oder musikalischer Gestaltung haben, ist es ebenfalls gut, wenn sie rechtzeitig mit dem Küster bzw. dem Kirchenmusiker sprechen. Vieles – aber nicht alles – ist möglich, wenn man genug Zeit vorhanden ist. Den Pastor kann man sich bei uns übrigens nicht aussuchen, sondern grundsätzlich ist immer einer der Pastoren zuständig. Wer das für Sie ist, das erfahren Sie auch im Kirchenbüro. Mit dem Pastor bespricht man dann den genauen Ablauf der Feier, die Lieder und die Texte. Eine Aus­wahl möglicher Bibelworte für die Trauung kann man auch im Büro be­kommen.
Dass es dann der schönste Tag im Leben wird, können wir natürlich nicht versprechen. Eigentlich wünschen wir Ihnen sogar, dass nach dem Hoch­zeitstag noch viele Tage gibt, die mindestens genauso schön werden. Aber das, was wir Ihnen geben können, ist vielleicht dann doch mehr als das Sahnehäubchen auf der vierstöckigen Hochzeitstorte, sondern etwas, was bleibt und was weiterhilft, wenn alle Torten aufgegessen und alle Gäste gegangen sind: Den Segen unseres Gottes.


Weitere Hinweise zur Trauung finden Sie im "
Ratgeber Trauung" unserer Landeskirche.


 

Die Beerdigung

(aus Gemeindebrief 42 von Dezember 2007 - Februar 2008)

Ein Kollege von mir hatte mal im Religionsunterricht seine Arbeit vorgestellt, was ein Pastor so alles macht. Unter anderem sprach er auch über die Amtshandlungen. Eine Schülerin fragte nun diesen Kollegen, welche Amtshandlung er eigentlich am liebsten machen würde. Mein Kollege überlegte eine Weile, als er antwortete: Ihr werdet das vielleicht nicht verstehen, aber am liebsten mache ich Beerdigungen. Die Schüler waren entsetzt. Wenn es einen Grund gab, weshalb sie ganz bestimmt nie Pastor werden wollten, dann deshalb, weil man die Toten beerdigen muss. Ob sie sich nicht vorstellen könnten, warum er doch am liebsten diese letzte Amtshandlung ausübe, hakte er nach. Dann meldete sich ein Junge, und sagte: „Vielleicht, weil Sie da am meisten gebraucht werden“.

Damit sind wir mitten im Thema: Warum Menschen im Trauerfall die Hilfe des Pastors, der Kirche, ja Gottes suchen – das braucht in diesem Fall nicht ausführlich erklärt werden. Der Tod eines geliebten Menschen ist immer eine Krise im Leben. Denn unser Leben besteht im wesentlichen aus unseren Beziehungen, manche gelingen, manche scheitern. Aber der Tod trennt diese Beziehungsfäden einfach durch, so dass sie lose in der Luft hängen. Dieser Schnitt tut weh, selbst dann, wenn die Beziehung nicht einfach, vielleicht sogar konfliktbeladen war. Denn erstens sind auch sogenannte „negative“ Gefühle wie Zorn, Schmerz vielleicht sogar Hass genauso intensiv, und erzeugen kaum dünnere Beziehunngsfäden als „positive“ Gefühle wie Zuneigung, Vertrauen und Liebe; und zweitens ist der Tod eines Menschen immer das absolute Ende auch aller Chancen, so eine Beziehung mit menschlichen Mitteln noch in Ordnung zu bringen. Wie gerne hätte man noch etwas gesagt, noch etwas geregelt – doch nun ist das Gegenüber einfach tot, und man steht da mit einer halbfertigen Beziehungskonstruktion, der dann auch noch der Boden weggezogen wird.

Aber auch völlig intakte Beziehungen, in denen man wirklich in Frieden von einander Abschied nehmen konnte, machen es nicht überflüssig, über Vergebung zu reden. Dass es einen Gott gibt, der unsere losen Beziehungsfäden liebevoll und behutsam in die Hand nimmt, dass es in Jesus einen Erlöser gibt, der alle unsere Schulden bezahlt, der auch das Konto dessen, der von uns gegangen ist, ausgleichen kann mit seinem Blut, das gehört zu den wichtigsten und tröstlichsten Botschaften unserer christlichen Kirche.

Gott, der von Anfang an da war, und der in Ewigkeit bleiben wird, er ist der einzige feste Punkt in unserem Leben. Wenn wir an ihm unseren wichtigsten Beziehungsfaden festmachen, dann haben wir einen Halt, im Leben und im Sterben. Dieser Faden hält, wenn wir die Fäden zu anderen Menschen loslassen müssen an der Schwelle des Todes, ja, auch wenn wir selbst einmal alle Fäden aus der Hand geben müssen – bis auf diesen einen.

Und Jesus Christus sagt: „siehe ich mache alles neu“. Er meint, dass er alles gut macht, dass er alles heil macht. Dass er mit seiner Liebe und seiner Vergebung unsere Beziehungsgeflechte – so verworren und verknotet sie auch sein mögen – unendlich zart und liebevoll auseinandertüdelt. Weil er uns liebt. Weil er uns vergibt. Weil er nicht will, dass wir uns in unserer Sünde, unserer Beziehungsunfähigkeit verheddern und darin zu Tode kommen, jenem Tod, der eben keinen Frieden hat, und der als totale Beziehungslosigkeit wohl so etwas wie die Hölle sein muss. Wir brauchen diesen Erlöser, und wohl dem, der seine Hilfe schon zu Lebzeiten in Anspruch nimmt, denn die Erlösung aus der Sünde, die Auferstehung aus den Toten, die kann man schon hier und heute erleben – genauso wie Tod und Hölle, aber das braucht man wohl nur den wenigsten zu erklären.

Deshalb gehört die Rede von der Auferstehung von den Toten zur Beerdigung dazu. Nicht als flotte Jenseitsvertröstung, sondern als Gottes echtes Angebot zum Leben, hier und heute. Dazu passend noch die Geschichte eines anderen Kollegen, der mir erzählte, er müsse bei seinen Traueransprachen immer an einen alten Friedhofsmitarbeiter denken. Der habe ihm als jungem Berufsanfänger damals folgendes auf den Weg gegeben: „Wissen Sie Herr Pastor, seit Jahr und Tag schaufele ich die Gräber für die Toten hier vom Ort. Sie wissen ja nicht, wie das ist, wenn man da unten in der Gruft steht. Ich frage mich fast jedes Mal, 'warum bleibst du eigentlich nicht hier unten?' – hören Sie, Herr Pastor, Sie müssen mir in ihren Predigten wenigstens einen Grund geben, wieder aus dem Grab herauszusteigen, verstehen Sie? Wenigstens einen!“

Ein paar Worte sollen noch zu den praktischen Fragen gesagt werden. Das Wichtigste zuerst: Im Trauerfall können Sie wirklich jederzeit einen Pastor anrufen – die Nummern stehen in jedem Gemeindebrief. Nicht immer sind alle Pastoren sofort erreichbar, aber einer von uns hat in der Regel immer Dienst, im allergrößten Notfall kann auch immer ein Notfallseelsorger über die Notrufe 110 und 112 angefordert werden. Das sollte die Ausnahme sein, kommt aber in besonders krisenhaften Situationen immer wieder vor.

Wir Pastoren kommen auch zu Sterbenden, wenn sie das wollen. Oft fällt der Abschied aus dem Leben leichter, wenn man miteinander den 23. Psalm oder das Vaterunser gebetet hat, vielleicht gemeinsam Abendmahl feiern konnte. Nach Eintritt des Todes kann, wenn es von den Angehörigen gewünscht wird, eine Aussegnung stattfinden, bevor der oder die Verstorbene abgeholt wird. Man versammelt sich im Sterbezimmer, und hält eine kleine Andacht.

Die Entscheidung, wie dann weiter vorgegangen wird, wird heute zunehmend sehr persönlich und unterschiedlich getroffen. Früher war die Erdbestattung, also die klassiche Beerdigung auf dem Friedhof das Normale. Für diese Form spricht auch heute noch einiges, denn so ist es seit Jahrhunderten üblich. Es existieren feste Abläufe von der Trauerfeier in der Kirche mit dem Weg durch das Dorf bis zur Beisetzung auf unserem Friedhof. Solche vertrauten Rituale helfen in einer Situation, wo vieles ins Wanken gerät, Halt zu finden und den Abschied zu gestalten.

Daneben gibt es heute zunehmend neue Formen, die Einäscherung mit späterer Urnenbeisetzung findet offensichtlich immer mehr Anklang. Der Abschied in zwei Stufen, der durch den zeitlichen Abstand zwischen Trauerfeier und Beisetzung entsteht, ist nicht immer leicht zu gestalten, und wird von vielen Angehörigen als eine merkwürdige Zwischenzeit im Schwebezustand beschrieben. Andererseits stehen wir Pastoren auch für beide Stufen zur Verfügung, und helfen bei der würdigen und persönlichen Ausgestaltung.

Ein nicht unproblematischer Trend ist die Zunahme von anonymen Bestattungsformen, also einem Grab ohne Namen, oder auch der Seebestattung, bei der die Asche des Verstorbenen in der Ostsee verstreut wird. So sehr das im Einzelfall dem Wunsch des Verstorbenen entspricht, und von den Angehörigen auch als angemessen empfunden wird, so sehr sollten solche Formen vorher im Familienkreis besprochen werden. Oft steht im Hintergrund der Wunsch eines älteren Menschen, den Kindern oder anderen Familienmitgliedern, nicht zur Last fallen zu wollen. Möglicherweise wollen aber gerade die sehr gerne einen Ort des Abschieds und der Trauer haben. Ein Gespräch über ein so heikles Thema zu führen, ist sicherlich nicht einfach, aber besser als diese Fragen ganz auszuklammern ist es allemal.

Bei all dem ist es tatsächlich gut, den einen, bleibenden Beziehungsfaden zu unserem Gott fest zu knüpfen, dass er einem Halt gibt, im Leben und im Sterben, wie es im sogenannten Valetsegen heißt: Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit, Amen.


Weitere Hinweise zur Beerdigung finden Sie im "
Ratgeber Beerdigung" der Nordkirche.