Das
Fest der Feste
Wenn Gänse um ihr Leben
bangen,
wenn lichten sich die Reih’n der Tannen,
wenn überall die Kassen
klingen
und Chöre Extraproben
singen,
wenn Kinder Flöte üben,
dichten,
die Schneematschberge auf
sich schichten,
wenn man sich fürchtet vor
Verwandten,
vor Festbesuch von Onkeln,
Tanten,
die man das ganze Jahr nicht
sah,
dann ist die Weihnachtszeit
bald da.
Wenn Schokomänner auf
Regalen
sich drängeln in
Millionenzahlen,
wenn Christbaumschmuck – wie
alle Jahre –
wird vielerorts zur
Mangelware,
wenn Feuerwehr und Polizei
bekommen überhaupt nicht
frei,
weil manche Festtags-Pyro’mannen’
verbrennen Haus und Hof mit
Tannen,
dann ist’s soweit, ganz ohne
Frage:
Es brechen aus die Weihnachtstage!
Kreislaufkollaps,
Herzinfarkt
durch Vorfest-Stress,
stresst manchen Arzt.
Im
Festtagsstreit-Familienkrach
wird selbst die stärkste
„Pumpe“ schwach.
Kaufrausch und Geschenkejag(ch)d,
die treiben uns bis abends
Acht:
Hat man auch ja niemand
vergessen?
Man kauft in Panik, wie
besessen.
Ganz ohne Zweifel ist’s
soweit:
Es droht die „stille“
Weihnachtszeit!
Kaum ist der Auftaktsstress geschafft,
verlässt uns schon die
letzte Kraft.
Sind Nerven dünn wie
Seidenfaden,
Platzt uns bei jedem Mist
der Kragen.
Ärgerlich und „ausgepowert“
stöhnt man,
wenn dann zu lange dauert
der Gottesdienst zum
Christus-Feste,
man stöhnt wie alle
Vorjahrs-Gäste.
Ein Jahr ist’s her, dass man
sich sah,
im Kirchenhaus – hallelujah!
Und nachher geht vor’m Weihnachtsbaum
erst richtig los der
Fest-Alptraum:
Die Kinder fetzen die
Geschenke,
die Alten spülen
Frustgetränke
und Kaffee in den Magen
runter,
damit man „lustig“ wird und
munter.
Das Niveau sinkt, die
Stimmung steigt
durch Alkohol zur
Weihnachtszeit.
„Stille Nacht und heil’ge Nacht“ –
Musik wird per CD gemacht.
Auch, dass „ein Ros’
entsprungen ist“,
kein Plattenproduzent
vergisst.
„Alle Jahre wieder“
werden alte Weihnachtslieder
neu gepresst und
aufgenommen,
damit sie in die Stuben
kommen,
gesungen uns von
Star-Tenören,
von Kammer- oder andern
Chören.
Nur – selber Singen geht
nicht mehr,
denn nie geübt, ist dies zu schwer ...
Ist schließlich alles
ausgepackt
und aufgegessen, dann man
sackt
todmüde und geschlaucht ins
Bett.
Die Anverwandten sind längst
weg.
Jetzt – endlich, endlich –
ist’s soweit:
Ein Ende hat die
Notstandszeit!
Doch: Halt!
Vielleicht geht’s nun gleich
weiter?!
Nicht jeder war erfreut und
heiter
durch das, was man ihm hat
geschenkt.
So mancher jetzt an Umtausch
denkt.
Und nochmals gibt’s für ein
paar Tage
Geschenkartikelumtauschplage,
bis dies Problem ist auch
geschafft,
das häufig kommt nach
„stiller Nacht“.
„Alle Jahre wieder“ droht
die Weihnachtszeit
und dann gibt es wieder
Hektik, Panik, Streit.
„Alle Jahre wieder kommt das
Christuskind“,
fragt sich, warum Menschen
zum Fest nicht glücklich sind ...
(Rüdiger Fuchs 1996)