Der Abzocker

 

Wie ist der Durchschnittskirchenchrist?

Er lebt, als ob er’n „Kuchen“ isst –

und – bis der Knopf springt, weiter frisst

und alle anderen vergisst,

die sich am Kuchen auch woll’n laben,

weil sie, wie er, gut Hunger haben.

Doch: Hauptsache, er selbst wird satt –

die andern kriegen gar nichts ab!

Er ist nur da, solang’s ihm schmeckt.

Ansonsten lebt er gut versteckt

und taucht nur dann und wann mal auf,

um neu zu füllen seinen Bauch,

bei Festlichkeit im Lebenslauf.

Zur Weihnacht ist er auch „gut drauf“.

Der Gottesdienst hebt’s Hochgefühl,

nur deshalb drückt er’s Kirchgestühl.

Die Heil’ge Stunde, das „Sahnestück“,

die fördert sein privates Glück.

Er futtert also, was er kann.

Er hält sich an den „Kuchen“ ran.

Der Kuchen heißt „das Wohlbefinden“.

Um sein Meist-Fehlen zu begründen

sagt er, den Mund voll „Sahnetorte“,

stets immer diese gleichen Worte:

Ich glaub’ an Gott – doch – ganz für mich,

das Kirche-Rennen brauch’ ich nich’!

Ich zahle brav die Kirchensteuer

und gebe manche Spende ab.

Aktiv sein ist mir nicht geheuer,

bin froh, wenn ich den Service hab’,

den mir für Geld die Kirche bietet,

und Gottes Schutz ist auch gemietet.

Gott muss mich schützen – ich zahl’ ein.

Er muss, sonst wäre er gemein!

Ich kauf’ mich in den Himmel ein...“

 

Dies – kurz erläutert – ist ein Christ,

der Kirchendurchschnittsmitglied ist.

Und was sein Fehlen andern bringt,

darüber denkt er niemals nach.

Ob’s andern ohne ihn geling?

Ob mancher ohne ihn zu schwach? –

Solch’ Fragen ist für ihn schlicht „Mist“,

für unsern U-Boot-Kirchenchrist,

 

der immer auftaucht dann und wann,

wo er was für sich kriegen kann.

Ansonsten bleibt er tief versteckt,

ganz gleich, ob irgendwer verreckt,

weil solche ein „Christ“ beim Einsatz fehlt

für Menschen, die das Leben quält...

 (R. Fuchs, 2005)