Der Schlagerstar
In einem kleinen, netten Dorf
soll ’n zweifelhafter Schlagersänger,
so künden überall Plakate
den Leuten an schon länger,
zum Singen kommen für die Menschen.
Der Tag rückt näher ’ran.
Das „Schicksal“ ist nicht abzuwenden –
er kommt, der Schlagermann.
Er ist schon überall bekannt,
der Ohrenfolterknecht.
Man weiß von ihm in Stadt und Land:
Gut singen kann er schlecht!
Nicht jeder hat ihn schon gesehn,
doch wer ihn hat gehört,
der weiß, wie’n Hirsch im dunklen Wald
mit Stimmbruch und Erkältung röhrt.
Und an dem Tag, da’s losgehn soll,
kommt in den einz’gen Krämerladen
am Ort ein Mann, Geldbörse voll:
„Ich kaufe alle
Tomaten!
Und alle Eier
kauf’ ich auch.
Ich kaufe die
Bestände auf!“
„Verstehe schon!“, grinst „Tante Emma“
hinter dem Ladentresen,
„Sie wollen wohl,
Sie Frecher, Schlimmer,
zu dieser ‚Krähe’
gehen,
die heute Abend
hier soll quaken,
dies blöde
Schlager-Aas?
Ich wünsch ‚gut
Schuss’ mit den Tomaten
und mit den Eiern! Ganz viel Spaß!“
Da kriegt ’n roten Kopf der Mann,
steckt weg sein Portmonee
und fängt verzagt zu stottern an:
„Ich bin die Schlager-Kräh’!“
(Rüdiger Fuchs 1998, nach einem Witz)