Die
Verwandlung der „Chefin“
Manchmal nimmt sie mir den Atem. Manchmal bin ich dankbar ihr.
Manchmal lässt sie lange
warten. Manchmal eilt davon sie mir.
Manchmal fleh’ ich: „Geh
vorüber!“ Manchmal wünsch’ ich mehr von ihr.
Manchmal wäre es mir lieber,
sie wär’ nicht die „Chefin“ hier,
dann, wenn sie ein „Wir“
zerstört, wenn sie uns zum Abschied zwingt.
Ihr die Sichtbarkeit gehört,
alles darin sie bestimmt.
Gnadenlos begrenzt sie’s
Leben. Nichts und niemand hält ihr stand.
Sie versklavt hier alles,
jeden. Niemand ist ihr weggerannt,
dieser „Chefin“ unsrer Welt.
Jedem gibt und nimmt sie wieder.
Alles wird von ihr gezählt.
Sie wirft auch die Größten nieder.
Selbst die höchsten Berge
weichen und die schönsten Menschenbauten.
Sie kann rauben, brennen,
schleifen. Keine Summe kann sie kaufen.
Alles Wissen überholt sie.
Alles macht sie schnell vergessen.
Höchste Höhe, tiefste Tiefe
– alles hat sie ausgemessen.
Und doch weiß ich einen Ort,
wo sie mich nicht knechten
kann:
Im Vertraun
auf Gottes Wort
fängt die Freiheit von ihr
an.
Liebe, Hoffnung, Treue,
Glauben,
schenke ich sie Jesus
Christ,
kann die „Chefin“ Zeit
nicht rauben.
Ostern ist er ihr entwischt!
Alles, alles nimmt die Zeit.
Sie regiert in dieser Welt.
Doch am Herrn der Ewigkeit
ist die Macht der Zeit
zerschellt.
Ja, der Herr der Ewigkeit
macht mir zum Geschenk die Zeit
und zur weisen Lehrerin.
Täglich führt sie näher hin
mich zu dem, was wirklich
zählt, weg von dem, was in der Welt
mich von Gott und Liebe
trennt
und auf falsche Bahnen
lenkt.
Zeit wird mir zur Aufgabe.
Jesus sagt: „Komm, nutz die Zeit!
Sei in jedem Augenblick für
mich hier zum Dienst bereit.“
Zeit wird Freundin, ER
Gefährte
auf dem neuen Glaubensweg.
Milder wird des Abschieds
Härte.
Denn: ER bleibt
,
auch wenn sie geht.
(Rüdiger Fuchs 1998/2003)