Ein Esel, der nicht laufen
will,
den muss man vorwärts
locken.
Halt Möhren ihm vor sein
Gesicht,
dann hört er auf zu bocken,
dann folgt er dir, wohin du
willst,
giert nur noch nach den Möhr’n.
Er sieht und will nichts
andres mehr.
So kannst du ihn betör’n.
Auch viele Menschen leben
so,
sie lassen sich
verschaukeln:
Von Wunsch zu Wunsch treibt
sie der „Trend“.
Sie rennen und sie laufen.
„Da vorne, wenn du das erst
hast,
da vorne ist das Leben!“,
so treibt sie die Verlockung
an,
für die sie alles geben.
Sie hetzen wild von Ziel zu
Ziel
dem Leben hinterher.
Sich täglich freu’n
am Augenblick,
das können sie nicht mehr.
Vom Schulabschluss bis zum
Beruf,
von Traum zu Traum bis Rente
–
bloß nichts verpassen! –
Gier jagt sie
und Sehnsucht bis ans Ende.
Mal Atem hol’n
und sich besinnen
und dankbar still
verweilen –
das treibt die Hektik vielen
aus.
Sie treibt zum
Vorwärts-Eilen.
Ein Esel, der nicht laufen
will,
den kann man so betrügen.
Bist du der Esel,
niemals still,
lässt du dich auch belügen?
(Rüdiger Fuchs 1997)