Ein Mensch hört selten vorher zu,
denn er meint, er weiß bescheid,
lässt sich lieber gar nichts sagen,
und so stolpert er ins Leid.
Erst durch Schaden wird er klug,
wenn er auf der Schnauze liegt.
Vorher treibt er Selbstbetrug:
glaubt, dass er’s allein hinkriegt.
Zur Beratung sagt er nein.
Er will König „King-Kong“ sein.
Ja, es kommt nicht selten vor,
dass der Mensch nichts lernt trotz Leid.
Stolz zerbricht so mancher Tor,
wird durch Schmerzen nicht gescheit.
Lieber stolz zu Grunde gehn,
als die Ohnmacht eingestehn,
als auf guten Rat zu hören.
Stolz kann Menschen leicht zerstören.
Mensch bleibt gern bei seiner Meinung
und bei seinem Lebensstil,
bittet selten um Verzeihung,
weil’s Gesicht man wahren will.
Stark ist aber nicht, wer immer
bleibt, wie er gewesen ist.
Wirklich stark ist und Gewinner,
wer auch korrigiert die Sicht.
Fest zu halten ist nicht schwer.
Los zu lassen um so mehr,
was man glaubte oder meinte,
was man immer so gemacht.
Eig’nen Standpunkt hinterfragen –
dieses kostet wirklich Kraft.
Man verstehe mich nicht falsch:
Wetterhahn sein mein’ ich nicht,
immer mit dem Wind zu drehn –
dies ist ebenso verkehrt
und wird voll daneben gehn.
Nicht sich selbst und andern Menschen
gilt es zu Gefall’n zu sein.
Nein, der Wahrheit treu zu bleiben,
dieses meine ich allein.
Das zu suchen und erstreben,
was – auch wenn es unbequem –
dient dem allerbeten Leben,
darum muss es immer gehen.
Um die bess’ren Argumente,
nicht um’s Ansehn ist zu ringen.
Nicht du selbst, jedoch das Beste,
ist statt dir nach vorn zu bringen,
und was dieses letztlich ist,
sagt uns allen Jesus Christ.
„Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit,
Leben gibt es nur bei mir,
und zu Gott hin, in sein Reich,
findest du mit mir von hier!“
Jesu Wort ist klar und deutlich –
doch wer will es gerne hören?
Menschen woll’n „ihr eignes Reich“,
selbst, wenn sie die Welt zerstören...
(R.
Fuchs, November 2004 zu Joh 14,6)