Ein guter Rat für Väter (mit nicht ganz kleiner Familie)

 

Vater sein ist ganz schön schwer

am Mittagstisch. Kriegt wer nicht leer

den Teller, muss der Papa ’ran,

auch wenn er nichts mehr essen kann.

Er muss die Reste stets vertilgen

und bald wird sich ein Bäuchlein bilden,

das mit den Jahren wird zum Bauch.

Den Spott dazu, den hat er auch.

Du müsstest endlich ab mal nehmen“,

quakt seine Frau „tu’ dich ‚was schämen!

Früher warst du gertenschlank.

Jetzt bist du fett wie’n Panzerschrank.

Doch: Papa kämpft, so viel er will –

der Restenachschub steht nie still

plus voller Kühlschrank, Schoko, Bier.

Der Papi frisst und schwitzt wie’n Tier,

nur um dir Seinen zu bewahren

vor Fresssucht, tut sich nix ersparen.

Und doch kommt er nicht gegen an,

egal, wie viel er schlingen kann.

Er mampft und stopft und wird nicht dünner.

Der Bauchumfang wird immer schlimmer.

Die Nachbarn tuscheln schon und lachen.

Was soll er armer Fettsack machen?

Die Waage zeigt nur „Notstand“ an,

was er zum Glück nicht sehen kann.

Der Bauch versperrt ihm längst die Sicht.

Auch seinen „Piepmatz“ sieht er nicht,

muss damit nach Instinkt längst zielen.

Zum Glück geht’s ähnlich ja ganz vielen.

Und eines Tages fällt’s ihm ein:

Ich geh’ in einen Trostverein,

in einen Club der dicken Menschen!

Da wird man mir Verständnis schenken.

Gesagt, getan – er rafft sich auf

mit seinem dicken Schwabbelbauch.

Da aber wird er dann zum Stier!

Er kommt nicht durch die Eingangstür –

willst du zufried’ner Vater sein

und Ehegatte, sag’ stets nein

zum Resteessen und –Verputzen.

Es macht nur fett, hat keinen Nutzen.

Setz’ du dich durch, sei willensstark!

Trink auch kein Bier, iss nur noch Quark.

Verzicht’ auf alle Lebensfreuden,

darfst keine Zeit damit vergeuden!

Leb’ wie ein eiserner Asket

bevor die Waage zeigt: Zu spät!

(Rüdiger Fuchs 1998/2004)