Hör’ zu, Mensch!
Hörst du, was dahinter
klingt,
hinter Worten, die wer sagt?
Welche Melodie dort singt,
in dem Herz, das es nicht
wagt
durch Fassaden
durchzubrechen
und ganz frei von sich zu
sprechen?
Hör’ doch auf die Untertöne,
spüre, ahne das Gefühl
hinter lautem Wortgedröhne,
hör’, was ‚Herz’ dir
sagen will!
Frage nach und wisse nicht,
wenn ein andrer zu dir
spricht.
„Kenn ich“, „weiß ich“, „hatt’ ich auch mal“,
„Ich versteh’ dich ganz
genau!“ –
wer so spricht, bereitet
Qual,
stopft den Mund dem Mann,
der Frau.
Denn:
Jeder, der grad’ sprechen
wollte,
spürt, dass er’s jetzt
lassen sollte,
Du hörst ja nicht wirklich
zu!
Willst von deinen Nöten
reden.
Seine, ihre Not willst du
doch nicht wirklich hörn,
verstehen.
Kannst’ sie jedenfalls nicht
kennen
und nicht „hatt’ ich auch mal“ nennen.
Schweig, Freund, lerne:
Keine Lage
gleicht der andern! Dummer
Tor!
Wisse nichts, hör’ zu und
frage,
wo ein andrer braucht dein
Ohr.
(Rüdiger Fuchs, September
2003)