Im Nebel fährt ein
Autofahrer,
die Sicht wird trüber und
nicht klarer.
Drum schleicht er mehr, als
dass er fährt.
Er hofft: ‚So mach ich
nichts verkehrt.’
Da sieht er vor sich rote
Lichter
und fährt ein bisschen nur
noch dichter
und freut sich, unser guter
Mann,
dass er wem anders folgen
kann.
Der andre leuchtet nun den
Weg
und zeigt, wohin die Reise
geht.
Die Angst vor’m Schlittern in den Graben
muss unser Fahrer nicht mehr
haben.
Der Nebel aber wird noch
dichter.
Noch näher fährt er an die
Lichter,
die roten, von dem
Vordermann.
Noch dichter bleibt er an
ihm dran.
Da bremst der Typ vor ihm
abrupt.
Zwar hat der hinten noch
gehupt,
doch knallt es trotzdem. Er
fährt drauf
und springt geschockt und
wütend ’raus:
„Was fällt ihnen ein, so
plötzlich zu stoppen?!
Sie Blödian, woll’n sie mich foppen?
Sie Trottel, dieser Scherz
war schlecht!“,
so poltert er, fühlt sich im
Recht.
„Sie Vollidiot!
Mann, sind sie dämlich!
So bremst man nicht! Es ist
doch neblig!...“
Der andre kühl ihn
unterbricht,
den aufgebrachten
Blubber-Wicht:
„Was woll’n
sie, stelle ich die Frage,
denn hier in meiniger
Garage?“
...
So mancher folgt blind
andern Menschen,
vergisst bequem das selber
Denken.
Man folgt mit Herdentrieb
der Menge
Und lässt sich treiben im
Gedränge
Der Masse, ganz egal, wohin.
Man fragt nicht nach dem
Ziel und Sinn.
Denn: Dahin, wo die Mehrheit
rennt,
nicht einer eine Antwort
kennt
auf diese Fragen: Wo geht’s
hin?
Wo komm’ ich her? Was ist
der Sinn?
Augen, Ohren, Herzen dicht –
Die Mehrheit rennt, doch
fragt sie nicht,
was das Gerenne
eigentlich
für’n Sinn hat. Alles nebelig(ch).
Von der Wiege bis zur Bahre
Wird getrottet bis zum
Grabe,
ohne je gelebt zu haben ...
Kommt! Lasst uns das Denken
wagen!
Das kann doch noch nicht
alles sein.
Mehr Leben muss ins Leben
rein
als bloß der Masse
nachzustreben!
Du darfst nicht als Kopie
nur leben.
(Rüdiger Fuchs 2003, nach
einem Witz)