Musst du Trauernde traurig machen?

 

Durch’s Dorf, da geht ein Trauerzug –

ist es nicht schon schlimm genug,

dass Menschen Abschied nehmen müssen,

weinen, oft nicht weiter wissen

ohne ihren lieben Menschen,

den wir in ein Grab versenken?

Ist das noch nicht schlimm genug?

Musst du stör’n den Trauerzug?

Mit dem Auto rast’ vorbei,

störst mit dem Motor’ngeschrei

die da weinen, die da trauern.

Steh doch still! Es wird nur dauern

ein paar kurze Stopp-Sekunden.

Mach nicht tiefer noch die Wunden!

Stell den Motor ab! Setz’ Zeichen:

„Mitgefühl will ich bezeugen!“

Lass den Trauernden die Stille!

Ich denke, dies ist Gottes Wille.

Und noch etwas, das find’ ich schlimm,

wenn ich auf dem Friedhof bin:

Immer wieder muss ich hören,

dass den Friedhof welche stören.

Stiller Friedhof ist so wichtig!

Tust du’s auch? Findest’ das richtig:

Lachen, Radeln, Witze reißen,

in die Friedhof-Stille kreischen?

Und:

Wenn wer auf den Friedhof geht,

dort Blumen pflanzt und Tränen sät,

mit Trauer und mit Dankbarkeit

für ’nen Verwandten oder Freund,

und wenn er steht, wo einst der Tod

ihm brachte schwere Abschiedsnot –

ein Trauernder ist schwer verletzt,

wenn du sein Grab zerstörst, verdreckst,

wenn du dir Blumen davon klaust,

wenn dort dein Hund rumbuddelnd haust

und nutzt dies Grab als sein „WC“ –

wie tut dem Trauernden das weh!

Wer Schmerz vermehrt und Traurigkeit,

wer Herzen knickt, hat Gott zum Feind!

Gönn’ Trauernden doch ihren Frieden,

und achte den Ort, an dem die liegen,

die vor dir lebten, liebten, lachten

und ihren Lieben Freude machten.

Setz’ Zeichen der Barmherzigkeit

und achte statt vermehre Leid.

Auch du wirst bald schon trauern müssen,

vielleicht den besten Freund vermissen,

auch du brauchst Stille dann und Frieden,

zu trauern dankbar um den Lieben,

den dir der Tod genommen hat.

Auch du pflegst vielleicht bald ein Grab,

an dem du gerne Ruhe hätt’st

und niemand Dir dein Herz verletzt.

(in Hoffnung auf dein Umdenken)