Religion?

 

Egal, von wem, egal, woher

Und ganz egal, welcher Couleur –

So predigt’s alle Religion:

Das „Paradies“ gäb’s nur als Lohn

Für Leistungen, die sie verlangt.

Am Leistung-Fordern wird erkannt,

was Religion im Wesen ist:

Ihr Ziel erlangt man nur durch Pflicht,

die man erfüllt mit Leistungstaten

       und –

wer’s nicht schafft, muss ängstlich fragen:

Wie kann ich wieder Ausgleich schaffen?

Was kann ich bei Verfehlung machen,

damit mein „Konto“ guter Taten

den Ausgleich bringt für mein Versagen?

Doch: Wie sehr ich es auch versuch’ –

bin ich jemals gut genug (ch)?

Denn: In Gedanken, Taten, Worten,

bei Tag und Nacht und allerorten

bin ich kein Engel, das ist klar.

Ich bin stets Sünder, das ist wahr!

Wie oft hab ich’s mir vorgenommen,

ein guter, lieber Mensch zu sein,

jedoch ist’s anders dann gekommen!

Ich war dann doch ein fieses ... Ekel

oder träge oder feige

oder einfach nur zu schwach –

und:

es kam statt Gutem Schlechtes,

es ging schief dann irgendwas.

Nein – was Religion verspricht:

Leistungshimmel, glaub ich nicht!

Ich brauch einen, der mich liebt,

wenn ich ein Versager bin,

der die nächste Chance gibt,

wenn ich falle wieder hin

und schaffe es nicht, gut zu bleiben.

Wer mich liebt, der muss an mir leiden,

da ich tagtäglich viel versage.

Wer liebt mich trotzdem?, ist die Frage,

und vergibt mir tausendmal?

wer gibt Chancen ohne Zahl?

Gefunden habe ich nur einen,

der mich annimmt, wie ich bin

und dessen Leiden-schaft Verzeihen

und Vergessen ist. Und IHN,

ihn liebe ich deshalb dafür,

denn er steht immer fest zu mir.

Ob ich ’was schaff’, ob ich versage –

ER stellt die Freundschaft nie in Frage,

der selbst am Kreuz noch für die Feinde

so betete, als wären’s Freunde.

Mein Meister und mein Gott du bist,

mein Jesus! Darum bin ich Christ,

denn Christ sein ist nicht Religion.

Der Herr liebt nicht nur „gute“ Menschen,

ER liebt selbst Feinde, Gottes Sohn.

Drum wird er mir den „Himmel“ schenken,

den ich alleine nicht kann finden.

ER trägt mich hin, trotz aller Sünden.

ER muss am Kreuz auch mich erleiden,

nur so kann ich das Ziel erreichen.

Würd’ ER mir täglich nicht vergeben,

dann wär’ verlor’n mein ganzes Leben.

Nur, weil der Herr mir Gutes tut,

wird auch am Ende alles gut.

Mein „Taten-Konto“ bringt mich nicht

Durch Gottes großes Weltgericht.

Müsst ich dort meine Schulden büßen,

dann würd’ ich ewig büßen müssen.

Doch Jesus zahlt, weil ich’s nicht kann,

ER hat’s am Kreuz für mich getan.

(R. Fuchs, Passionszeit 2004)