Der Mensch lebt träge, er
lebt stur,
wenn’s irgend geht in alter
Spur.
Gewohnter „guter, alter
Brauch“
beschäftigt nämlich nur den
Bauch
für Lust und für den
Unterleib.
Und neue Wege brächten
Plagen
für ungenutzte Hoch-Etagen
weit über’m
Gürtel: Herz und Kopf.
Der Mensch müsst’ denken unter’m Schopf!
Er müsst’ sich regen und
bewegen,
und Änderungen auch erwägen,
müsst’ fragen nach Woher?
Wozu?
Und aus wär’s mit der „sel’gen Ruh’.“
Drum zieht er selbst noch
bei Gefahr
ein Leben vor „wie’s immer
war“,
verpasst verschlafen höchste
Zeit.
Doch: Erntet er dann großes
Leid,
beschuldigt er für
Katastrophen
ausschließlich „den“ und
„die da oben“.
Er sieht die eig’ne Schuld nicht ein.
Der Mensch will niemals
klüger sein.
Der Bauch will ohne Mühe
fressen.
Der Hintern hat sich
festgesessen.
Gewohnheit bringt
Geborgenheit
und für die Lust genügend
Zeit.
Und Kopf und Herz, die sind
benebelt,
mit Wohlstand gut betäubt,
geknebelt.
Und auch ihr Partner, das
Gewissen,
es schlummert sanft im
Ruhekissen.
So ist’s wohl traurig, aber
wahr:
Der Mensch schläft gut bei
Höchstgefahr...
(Rüdiger Fuchs, Juli 2003)
Aus
der Forschung ist ein merkwürdiges Phänomen bekannt: Wenn man einen Frosch in
einen Kochtopf mit Wasser setzt und sehr langsam erhitzt, bleibt er im Topf
sitzen bis er stirbt. Erhitzt man schnell, springt er heraus und rettet so sein
Leben. Mich erinnert dieser makabere Tierversuch, von dem ich einmal hörte, an
unser menschliches Verhalten: Solange uns eine Gefahr, ein Leid oder eine Not
der Welt nicht unmittelbar betrifft und unser persönliches Leben einschränkt,
ändern wir unser Verhalten nicht (Ozon-, Klima- und Umweltschutz, Rauchen
einstellen, ungesunde Essgewohnheiten oder falschen Autofahrstil ändern usw.
werden darum gewöhnlich zu spät in Angriff genommen).