Verlässlichkeit

 

„Prüfe, was sich ewig bindet,

ob es nicht was Bess’res findet“,

so dichtete einst Wilhelm Busch.

Doch: kommt solch Prüfen je zum Schluss?

Wer weiß denn, was das Beste ist?

Und: Ob du je verlässlich bist

für einen Menschen, der dich liebt,

selbst wenn es tausend „bess’re“ gibt?

Mensch sind nicht austauschbare

Billig- oder Mängelware!

Du darfst’s nicht immerzu vermeiden

dich für den andern zu entscheiden,

der sich darauf verlassen muss,

dass du nicht folgst Herrn Wilhelm Busch,

wenn’s ihm zum Beispiel dreckig geht.

Dann braucht er wen, der zu ihm steht.

Wenn du dein Ja-Wort hast gegeben,

dann musst du auch die Treue leben.

Treue, die sich ewig bindet,

sucht nicht, ob sie „Bess’res“ findet.

 

Es stellt sich übrigens heraus:

Das „Bess’re“ sieht meist besser aus,

als es sich dem, der’s hat erreicht

dann aus der Nähe wirklich zeigt.

Womöglich schlechter ist sogar –

als das vermeintlich Schlecht’re war –

was man beim Jagen nach dem Glück

erreichte. Doch: nun liegt zurück

für immer, was man hätte sollen

behalten – wie man sieht mit Grollen.

Die Tür ist zu. Man wird nicht froh.

Wie vielen Menschen geht es so!

Der Weg ist eben nicht das Ziel.

Wer immer sucht, erreicht nicht viel.

Du musst dich auch zufrieden geben

und mit Erreichtem weise leben.

Denn: Glück ist es, darin zu reifen

und nicht bei Schmerz und Stress zu kneifen.

Wer nicht am andern leiden kann,

ist Dünnbrettbohrer und arm dran.

 

Flucht aus der Not und vor Problemen

ist nur etwas für die Bequemen,

die immer oberflächlich bleiben,

die Anstrengung und Leid vermeiden,

die niemals wohl ihr Bestes geben.

Ob solche Menschen jemals leben?

Wer ewig sucht, bleibt unzufrieden

und weiß nicht, was es heißt zu lieben

und kennt’s auch nicht, geliebt zu sein,

lässt er sich nicht von Herzen ein

auf eine Bindung ohne Grenzen.

Sich ganz und gar dem Andern schenken

und sich verlassen ohne Angst –

du wirst nicht froh, wenn du’s nicht kannst.

Was „bess’res“ mag es immer geben.

Doch: das ist nicht der Sinn vom Leben,

dass wir für Bess’res ständig tauschen,

um hinter Träumen herzulaufen.

 

Ich sag’s noch mal und bleib dabei:

Mach dich von solchem Streben frei!

Treue, die sich ewig bindet,

sucht nicht, ob sie Bess’res findet,

sucht nur, dem andern treu zu sein.

Sie macht ihr Ja-Wort nicht zum Nein.

(Rüdiger Fuchs 1998)