Was uns ein Eichhörnchen lehrt

 

Ein Eichhorn saß am Strassenrand:

Wie komm’ ich da bloß ’rüber?

Die großen, schnellen Autos,

die fahr’n mich doch glatt über!

Da – plötzlich hielt ein Auto an –

und – hat man so’was schon gesehn? –

auch noch ein zweiter Wagen hielt

und blieb für’s Tierchen stehn.

Und diese Sache, liebe Freunde,

ist wirklich so passiert:

Das Eichhörnchen ist seelenruhig

zu seinem Ziel spaziert,

über die Strasse, man glaubt es kaum,

zu seinem angepeilten Baum

und hat den Menschen noch Freude gemacht.

Die haben in den Autos fröhlich gelacht!

 

Und ich? Ich hörte die Geschichte

und dachte: Auch wir Menschen,

wir müssen lebenslänglich üben,

für Schwäch’re mitzudenken.

Wer könnte mir der Nächste sein,

dem ich muss Vortritt lassen?

Wer könnte ohne meine Hilfe

den Weg zum Ziel nicht schaffen?

Und: wann bin ich selbst in der Lage,

dass andere für mich

in Rücksicht müssen hilfreich sein?

Das Eichhorn bin auch ich.

Wann muss ich, weil ich sprechen kann –

ich bin ja Mensch, kein Tier –

wen anders mutig sprechen an:

Ich brauch’ dich – hilfst du mir?“

(Rüdiger Fuchs 1999, nach dem Augenzeugenbericht

eines Gemeindegliedes, Frau Parplies)