Weihnachtslügen

 

Nein! „Still“ und „heilig“ war sie nicht, jene kalte Nacht,

in der unter Schmerzen Maria den hat zur Welt gebracht,

den sie mit Angst und Mühsahl und auch als Belastung getragen,

unter ihrem Herzen. Wollte sie verzagen?

Und Josef? - war in Sorge um seine schwache Frau.

Wie wenig er helfen konnte, das wusste er genau.

Von Nazareth nach Bethlehem durch Angst, Not und Gefahr,

so brachten sie ihr Kind zur Welt, das arme Eltern-Paar.

Aus Arbeit und Geborgenheit durch’s Kaiserwort vertrieben,

war ihnen außer Furcht nur Gottvertraun geblieben.

„Himmlisch-heilig“ war auch nicht der Weg zur Felsenhöhle

und nicht der Futtertrog für jene kleine Seele,

die zitternd darin lag – ein kleines Judenleben.

Das schwer erschöpfte Paar konnt’ wenig Schutz ihm geben.

 

Was haben Kitsch und Kirche bloß aus den Drei’n gemacht?

Jesus ist kein „Christkind“ und unruhig war die Nacht

und „heilig“ eben nicht! Die drei war’n einfach Menschen.

Warum darf soviel Blödsinn die Weihnacht uns verrenken?

Sie macht erst Mut, wenn wir erkennen: Gott wurde schwach wie wir

und bahnte mitten in der Welt den Weg zu seiner Tür.

 

Menschenferne Fabelwesen können uns hier gar nichts geben,

doch wer leiden kann wie wir, der macht Mut mit Gott zu Leben:

Josef und Maria vertrauten ihrem Gott. Und er nahm ihnen nicht die Angst und große Not.

Jedoch: Er half darin den beiden mit dem Kind.

An ihrem Weg erkenne ich, dass die gesegnet sind,

die Jesu „Vater“ trauen in jeder Schwierigkeit.

Dies schlichte Menschenpaar macht mich dazu breit,

auf ihren Gott zu hoffen, der in die Welt gebracht

durch Müh’ und Angst sein Kind, und so wurd’ unsre Nacht

erhellt, nicht kitschig-niedlich,

nicht „hold“ und schläfrig-friedlich.

 

Sie liebten ihren Gott nicht nur in guten Zeiten.

Sie blieben an ihm dran auch in den schlimmsten Leiden.

Maria, Josef und das Kind, das Jesus sie benannten –

ihr Weg mit Gott durch’s Leid macht sie uns zu ‚Verwandten’,

die so wie wir mit Bangen versuchten durch’s Leben zu gehen.

Ich kann an ihrem Leben den Weg des Glaubens sehen.

Er führt mich durch die Angst, und dort hilft mir SEIN Segen.

Ich werd’ den Dreien folgen, will Gott mich ganz hingeben.

Vertraun will ich ihm schenken, damit er auch durch mich

sein Licht bringt unter Menschen. So leben möchte ich.

„Stille Nacht und heil’ge Nacht?“ „Holder Knabe?“, Tannenbaum?

Weihnachtsmärchenlügenmüll! Aus Wahrheit macht man einen Traum.

Weltfremd, fern vom Alltagsleben, kann uns keine Kraft mehr geben,

was ganz real und hier geschah, ohne Bimbambum-Trara.

Gott kommt menschlich zu uns Menschen, um als Freund uns Kraft zu schenken.

Ich lasse mich nicht länger mit Weihnachtskitsch belügen!

Ich lerne von den Dreien, Gott, meinem Herrn, zu dienen.

 

(Rüdiger Fuchs 1998)