Wenn Wissenschaft nur Wissen
schafft
und Menschen bloß noch
schlauer macht,
dann wird das Raubtier
Mensch nur schlauer
und tötet besser und
genauer.
Das Menschenherz gilt’s erst zu wandeln,
damit’s aus Liebe lernt zu handeln.
Wenn sie den Killer schlauer
macht,
dann nützt sie nichts, die
Wissenschaft.
Schon die Erziehung unsrer
Kinder
verkennt: Auch Kinder sind gern
Sünder!
Streiten, lügen, hauen,
stehlen –
das muss man ihnen nicht
befehlen.
Das tun sie schon im
Kinderzimmer.
Und tun wir nichts, wird’s
jährlich schlimmer.
Rücksichtnahme, Danke sagen,
nach dem Glück des andern
fragen,
helfen, dienen, höflich
sein,
sich am Bösen nicht erfreun –
alles dies und noch viel
mehr
muss man erlernen, fällt uns
schwer.
Auch die Schule ist
verkehrt,
legt sie d’rauf
zu wenig wert:
Bio, Mathe, Deutsch, Physik –
täglich gibt’s das
stundenlang.
Kunst und Reli und Musik?
Drängt der Lehrplan an den
Rand.
Wird ein Kind im Kopf nur
schlau,
weiß es vieles zwar genau.
Aber Kinderherzen müssen
Bosheit zu bezwingen wissen,
müssen lernen Treusein, lieben
und vor falschem Einfluss
fliehen.
Macht man Kinderköpfe
schlauer,
sind sie später nur genauer
und präziser Ego-Menschen,
die mit List gewinnen
können,
aber herzlos, nur für sich,
nach dem Motto „ICH, ICH,
ICH!“
Bei uns zählt von Schule an
zwar der Mensch, der denken
kann
und der’s bis nach oben
schafft,
der gewinnt, Karriere macht.
Doch: Menschen, die vor
allem lieben
und verbreiten dabei
Frieden,
die zuerst nach
andern fragen,
gerne andrer Lasten tragen,
wär’n die nicht ein bessres Ziel?
Bestien ha’m
wir schon zuviel!
Wenn Schule nur mehr Wissen
schafft
und Kinder nur noch schlauer
macht,
dann werden böse Mensch schlauer,
tun Böses besser und
genauer.
Das Menschenherz gilt’s erst zu wandeln,
damit’s aus Liebe lernt zu handeln.
Musik und Kunst und Religion,
die brächten uns viel bess’ren Lohn.
Solange wir dies nicht kapiern,
wird keine Besserung passiern.
Kriminelle große Leute
sind die Ernte, wenn wir heute
Wissen ohne Liebe säen,
ohne Glauben, nur Verstehen.
Kinder müssen Diener werden
und nicht Herren hier auf
Erden.
Sind wir Vorbilder für sie?
Sonst erlernen sie das nie!
Nicht mit Fäusten, nur mit
Händen,
kann man was zum Guten
wenden,
kann man andrer Lasten
tragen.
Lasst uns anders leben
wagen!
(Rüdiger Fuchs 1998)